Kolumne 1

Die Schule.

Der Allgemeinheit als soziales System verkauft und eigentlich nur eine vertrackte Anstalt, mit deren Existenz den jungen Menschen die Freiheit genommen wird.

Warten wir nicht eigentlich alle auf den Moment, da die letzte Klausur geschrieben ist und man nie mehr die Schulbank drücken muss?

Doch wie oft hören wir dann die Erwachsenen von ihrer Schulzeit schwärmen?

Wir wollen uns keine Gedanken darüber machen was die Zukunft so bringen könnte.

Leben wir nicht frei nach dem Motto „Lebe den Moment“?  

Viele Momente leben wir in der Schule und die Schule gehört nun mal zweifelsohne zu unserem Leben, mehr noch: Es ist eine Zeit, die wir nie vergessen werden.

Das tägliche Zusammenkommen in den vielen rosa Gebäuden unserer Schule prägt uns.

Nennen wir es besser brandmarkt uns, denn obgleich dies recht brutal klingen mag, entspricht es dennoch zum Teil der Wahrheit.

Mit Beginn der ersten Stunde wird uns, den Schülern, volle Konzentration und Aufmerksamkeit abverlangt, die wir auch nach der Schule nicht einfach so abstellen können.

Auf die Schule konzentriert sitzen wir im Unterricht, auf die Schule konzentriert essen wir unser Pausenbrot, auf die Schule konzentriert lackieren wir uns die Fingernägel in Mathe, auf die Schule konzentriert fahren wir nachhause, auf die Schule konzentriert beginnt unsere sogenannte „Freizeit“.

Das Realisieren einer Existenz abseits von Schule ist schier unmöglich, wir erfahren dies nicht oft und wenn, dann empfinden wir es als Glücksgefühl.

Als wäre es uns verboten, glücklich zu sein als Schüler.

Glücklich zu sein in der Schule. Wie soll das möglich sein?

Glücklich zu sein in einem System, das uns die Freiheit in Häppchen serviert?

Irgendwie muss es doch realisierbar sein, das alles ein wenig erträglicher zu gestalten,

haben sich wahrscheinlich auch schon Schüler vor 100 Jahren gedacht.

 

Die vielen, nicht selten völlig absurden Gerüchte über die Lehrer.

Eigentlich ganz einfache Menschen zu denen wir uns ein fantasievolles Sexleben denken, diverse Versicherungsbetrüge und Affären untereinander.

Das In-den-Pausen-gutaussehenden-jungen-Lehrer/innen-Hinterherlaufen und dämliche Fragen stellen ist unter Mittel- und Oberstufenschüler/innen genauso beliebt, wie die

Versteck-Jagden mit den Pausenaufsichten in der Unterstufe.

Die Methode sich unter den Tischen, hinter bejackten Stühlen und im Schrank neben der Tafel zu verstecken, wenn man Absätze und Schlüsselgeräusche auf dem Flur hört, ist noch immer in Mode. Genauso wie Neuankömmlinge unter den Machthabern in deren schlechtgemachtem Unterricht mit Radiergummis zu bewerfen.

Wenn man mal keinen Radiergummi in der Hand hat, Papierkügelchen tun es auch, falls auch das nicht vorhanden ist, wird einfach alle paar Minuten unauffällig ein schriller Schrei ausgestoßen, um den oder die Referendar/ in zu verwirren.

All das versüßt uns den Schulalltag nicht zu knapp.

Nicht selten eingenommen und fasziniert von der Möglichkeit Verbote zu umgehen und Regeln zu brechen.Mögen wir nicht gerade Verbotenes, eben weil es verboten ist?
Ist nicht der Adrenalinstoß beim Gedanken an die möglichen Konsequenzen, der Reiz?
Und fast nie ist dann das, was wir verbotenerweise machen die Konsequenzen nicht wert.

Vor allem nicht wenn wir schwänzen und statt im Unterricht zu sitzen in der Stadt ins Kino gehen, zuhause eine dicke Mütze Schlaf nachholen oder mal eben zu Subway fahren.

 

Und was bleibt uns zum Schluss? Ja richtig.

Ein riesiges soziales Netzwerk das in der Realität existiert und nicht auf sinnlosen Internetplattformen.

Freunde fürs Leben heißt es. Schulfreunde. Klassenkameraden. Kumpel.

Und dennoch kristallisiert sich bald heraus, mit wem man den Kontakt halten kann oder überhaupt möchte. Schüler sind nicht eine Harmonie. Eine Klasse ist nie immer ein Zusammensein. Oft herrscht die Jeder-Gegen -Jeden-Situation.

Angestachelt durch die Lehrer, die den Unterricht wettbewerbsähnlich gestalten und dann zuschauen, wie sich die Schüler die Köpfe einschlagen, wenn der eine 5 Punkte mehr hat als der andere.

Nicht unschwer vorzustellen, wie eine Lehrerkonferenz abläuft, wenn man schon einmal in einem Wettbüro gewesen ist und die Personen beobachtet hat, die auf das falsche Pferd gesetzt haben. Anspannung, Erleichterung, Anspannung, Wut, Verzweiflung, noch mehr Wut.

Das Ventil für diese Wut sind dann die Schüler.

Ob moralisch korrekt, oder verwerflich sei dahingestellt, aber sobald jemand in Tränen ausbricht, weil er oder sie eine 3 in Mathe hat, muss da irgendwas schief gelaufen sein.

Wem kann man also vertrauen in dieser Welt die abgeschieden von Familie und Verwandten liegt, wenn selbst die Lehrer durch Erfolgssucht so fehlgeleitet werden?

Wenn man dem König, oder in unserem Fall eher Papst und seinen Lakaien nicht vertrauen kann, dann muss man sich gezwungenermaßen an den Untergrund wenden. Vielleicht eine Revolution anzetteln, aber mit den Schulbekanntschaften, im Allgemeinen auch „Schulfreunde“ genannt, ist es wie mit der Verwandtschaft, die man sich nicht aussuchen kann. Zusammengewürfelter Haufen und es existiert immer eine natürliche Rangordnung, der Stärkere frisst den Schwächeren.

Muss man sich also der vorbestimmten Hierarchie unterordnen?

Denn letztlich ist das, was in den Klassen und Stufen von Zeit zu Zeit abläuft, nicht selten viel zu extrem, als dass wir es sehen könnten oder begreifen und angreifen wollen würden, wollen wir nicht selbst gebissen, zerfleischt und dann wieder ausgespuckt werden.

Eine harte Politik. Ein eisiger Wind in den glänzenden Fluren und den Türen aus Holz, die die Gemeinheit im Stillen verbergen.